Einundzwanzigster Brief (in Auszügen)

»Im Namen des Hochgelobten und fürwahr; es gibt kein Ding, das nicht lobend Ihn preist!« (Sure 17, 44) »Im Namen Allahs, des Erbarmers, des Barmherzigen; Wenn eines von ihnen (Vater oder Mutter) oder (alle) beide bei dir (im Haus) hochbetagt geworden (und mit den Schwächen des Greisensalters behaftet) sind, dann sag nicht Pfui zu ihnen und fahr sie nicht an, sondern sprich ehrerbietig zu ihnen, und senke für sie in Barmherzigkeit den Flügel der (Selbst)erniedrigung (d.h. benimm dich ihnen gegenüber aus Barmherzigkeit freundlich und gefügig) und sag: Herr Erbarm dich ihrer (ebenso mitleidig), wie sie mich aufgezogen haben, als ich klein (und hilflos) war Euer Herr weiß sehr wohl, was ihr in euch verbergt. (Er erkennt) falls ihr rechtschaffen seid (euren guten Willen an, auch wenn ihr seinen Geboten nicht durchweg nachzukommen vermögt). Den Bußfertigen ist Er bereit zu vergeben.« (Sure 17, 23-25)

Oh du, der du Gottvergessen lebst, in wessen Haus sich die alte Mutter oder Vater, oder ein pflegebedürftiger, oder ein hilfloser oder blinder Verwandter oder Glaubensbruder befindet!... Achte auf diesen ehrwürdigen Qur'anvers und siehe, wie in diesem Vers zur Zärtlichkeit gegenüber den altgewordenen Eltern aufgerufen wird. In der Tat ist die höchste Wahrheit in der Welt die selbstlose Liebe der Väter und der Mütter ihren Kindern gegenüber; und das erhabenste Recht ist, dass sie dieser selbstlosen Liebe gegenüber von ihnen Hochachtung bekommen. Denn, sie opfern ihr Leben in vollkommener Freude für das Leben ihrer Kinder und geben es aus. Daher steht jedem Kind zu, das von dem Menschsein nicht abgefallen ist und sich nicht in ein Untier umgewandelt hat, jene verehrten, treuen und opferwilligen Freunde aufrichtig hochzuachten, ihnen innig zu dienen, ihre Wünsche zu erkennen und ihre Herzen zu erfreuen. Onkel und Tante der väterlichen Seite gilt als Vater und der mütterlichen Seite gilt als Mutter. So wisse, wie erbärmlich und gemein es ist, die Anwesenheit jener segensreichen Alten lästig zu finden und ihren Tod zu wünschen, und komme zur Besinnung. Verstehe, welch eine hässliche Ungerechtigkeit und Erbärmlichkeit es ist, den Untergang des Lebens dessen zu wünschen, der sein Leben für dein Leben geopfert hat!

Oh du Mensch, der du von der Sorge um den Lebensunterhalt betroffen bist! Wisse, dass die Säule des Segens, der Anlass der Fülle und der Vertreiber des Unglückes in deinem Haus dein alter oder blinder Verwandter ist, der in deinem Hause lebt und den du lästig findest. Sage nur ja nicht: »Mein Einkommen ist knapp, ich kann damit nicht auskommen.« Denn, gäbe es den Segen nicht, der ihretwegen kommt, auf jeden Fall würde die Knappheit bei deiner Lebenshaltung noch größer werden. Vertraue mir, dass das wahr ist. Ich kenne absolut sichere Beweise dafür und kann dich auch davon überzeugen. Um es nicht in die Länge zu ziehen, fasse ich mich hier kurz. Verlasse dich auf mein Wort. Ich versichere, diese Wahrheit ist absolut sicher, sogar meine Begierde und mein Teufel haben sich davor ergeben. Eine Wahrheit, die die Hartnäckigkeit meiner Begierde gebrochen und meinen Teufel zum Schweigen gebracht hat, muss dich überzeugen können.

In der Tat sendet der majestätische Schöpfer in Seiner Gastfreundschaft, der durch das Zeugnis des Kosmos im unendlichen Grade barmherzig, gütig, freundlich und freigiebig ist, wie Er zu den Neugeborenen, die Er zur Welt sendet, ihre Nahrung in einer äußerst freundlichen Weise durch die Hähne der Brüste in ihre Münder fließen lässt, auch die Nahrung der Alten, die wie Kinder geworden sind und mehr als die Kinder die Barmherzigkeit verdient haben und der Zärtlichkeit und Liebe bedürftig sind, in Fülle. Er lädt ihre Versorgung nicht auf die habgierigen und geizigen Menschen.

»Gott ist es, der (allen) Unterhalt beschert und Macht und Festigkeit zu Eigen hat.« (Sure 51, 58)

Die Wahrheit, die diese Verse zum Ausdruck bringen, machen alle Arten der Lebewesen ohne Worte durch ihre Tat bekannt und verkünden die Wahrheit dieser gastfreundlichen Freigiebigkeit. Nicht nur die Nahrung der alten Verwandten, sogar auch die mancher Tiere wie Katzen, die dem Menschen als Freund gegeben wurden und deren Nahrung innerhalb der Versorgung der Menschen gesandt wird, kommt in Fülle. Ein Beispiel, das dieses bestätigt und welches ich erlebt habe:

Meine nächsten Freunde wissen auch: Vor zwei, drei Jahren hatte ich jeden Tag ein halbes Brot, das Brot in diesem Dorf war damals klein als Ration, die mir meistens nicht ausreichte. Dann kamen zu mir vier Katzen als Gäste. Dieselbe Ration reichte sowohl für mich als auch für sie. Meistens blieb noch etwas übrig.

Es wiederholte sich dieser Umstand dermaßen oft, dass ich zu der Überzeugung gelangte, ich hätte einen Nutzen aus der Segensfülle der Katzen. Mit fester Überzeugung gebe ich bekannt: Sie waren mir keine Last und mir gegenüber keinen Dank schuldig, sondern ich war ihnen zu Dank verpflichtet.

Oh du Mensch! Wenn ein Tier in der Gestalt eines Raubtieres in das Haus eines Menschen zu Gast kommt und ein Anlass zum Segen wird, so kannst du das in das Verhältnis bringen, wenn sich ein Mensch, der unter den Geschaffenen der Ehrwürdigste ist, oder ein gläubiger Mensch, der unter den Menschen der Vollkommenste ist, oder ein hilfloser und siechender alter Gläubiger, der am meisten der Hochachtung und der Barmherzigkeit würdig ist, oder ein Verwandter, der unter den siechenden Alten am meisten Zärtlichkeit, Dienst und Liebe verdient, oder Mutter und Vater, die unter den Verwandten die wahrsten Freunde und treuesten Geliebten sind, in dem Zustand ihres Altseins mit dir im selben Haus befinden, in welchem Grade sie ein Anlass zur Fülle und ein Mittel der Barmherzigkeit sind, und nach dem Geheimnis von

»Gäbe es keine Alten mit gebeugten Rücken unter euch, so würden die Katastrophen wie die Sintflut auf euch niederregnen«,

kannst du dir vorstellen, in welchem Grade sie ein Grund für die Aufhebung (der Verhängung) eines Unglücks sind.

Also, oh du Mensch, komme zur Besinnung! Wenn du nicht vorher stirbst, wirst du ein Greis werden. Wenn du deinen Eltern gegenüber nicht respektvoll bist, so werden dir auch deine Kinder, nach dem Geheimnis von

»Die Strafe entspricht der Art der Tat.«

nicht dienen. Magst du dein Leben im Jenseits, so ist hier für dich eine wichtige Fundgrube, stell dich in ihren Dienst, achte auf ihr Einverständnis! Magst du dein Leben in dieser Welt, stelle sie wiederum zufrieden, damit dein Leben ihretwegen wohl und dein Unterhalt segensreich wird. Sonst wirst du, wenn du sie lästig findest, ihren Tod wünschst und ihre zärtlichen und leicht empfindlichen Herzen kränkst, der Fall für das Geheimnis von

»Verlierer der Welt und des Jenseits.«

Willst du die Barmherzigkeit des Erbarmers, so sollst du diesen Anvertrauten des Erbarmers und Seinen Pfändern gegenüber in deinem Haus barmherzig sein.

Es gab einen Mann unter meinen Mitbrüdern namens Mustafa Tjavush. Ich sah ihn in seinen religiösen und weltlichen Angelegenheiten erfolgreich. Das Geheimnis davon wusste ich nicht. Danach erkannte ich den Grund seines Erfolges: Dieser Mann kannte die Rechte seines alten Vaters und seiner alten Mutter, achtete auf dieses Recht vollständig und gelangte ihretwegen zu Wohlstand und Segen. Insha-al'lah, wolle es Gott, setzte er sein jenseitiges Leben in Stand. Wer glücklich sein will, soll ihm nacheifern!

»Oh Allah! Segne den, der sagt: Das Paradies liegt unter den Füßen der Mütter, und seine Familie und alle seine Gefährten.« »Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, das Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise.« (Sure 2, 32)

 

Weitere kurze Auszüge zum Thema aus anderen Abhadlungen:

Aus dem 32.Wort (Einheit Gottes und Vielgötterei):

Aus dem zweitem Kapitel

Des Weiteren ist die Hochachtung vor dem Vater und die Liebe zur Mutter um der Weisheit und des Erbarmens willen, welche sie mit selbstloser Liebe erfüllt und dich durch ihre barmherzigen Hände versorgt haben, Teil der Liebe zu Gott dem Gerechten. Das Merkmal dafür, dass diese Liebe, Hochachtung und Zärtlichkeit um Allahs willen ist, ist folgendes: nämlich dass du - wenn sie alt werden und dir überhaupt nicht mehr von Nutzen sein können und dir nur noch Mühsal und Sorgen bereiten - ihnen noch mehr Liebe, Barmherzigkeit und Zärtlichkeit entgegenbringst.

Der Vers:

»Sollte einer von beiden, oder beide, zusammen unter deiner Obhut alt werden, dann sollst du nicht ´Pfui!´ zu ihnen sagen.« (Sure 17, 23)

der die Kinder in fünffach abgestuft einlädt, (die Eltern) zu lieben und zu achten, zeigt, wie wichtig es in qur´anischer Hinsicht ist, auf die Rechte der Eltern zu achten, und wie hässlich es ist, sie zu missachten.

 

Aus dem dritten Kapitel

Deine Liebe zu deinem Vater und deiner Mutter gilt, da sie um Gottes des Gerechten willen besteht, als Gottesdienst und zugleich wird sich mit zunehmenden Alter deine Hochachtung und Liebe zu ihnen noch vermehren. Mit der edelsten Gesinnung und aufrichtigem Eifer wünschst du, dass sie lange leben und betest für ihr Bleiben: damit »ich vor ihrem Angesicht stets mehr Segen erlangen möge.« sagst du dann und küsst in aufrichtiger Hochachtung ihre Hände, woraus dir in deiner Seele ein hohes Wohlbefinden erwächst. Wärest du hingegen dir selbst und der Welt verfallen, und ihre Existenz würde dir in deinen gemeinen und abscheulichen Empfindungen lästig werden, wenn sie alt geworden sind und jenen Zustand erreicht haben, in dem sie dir zur Last geworden sind, und du wünschtest dann diesen ehrwürdigen Menschen, die ja die Ursache für dein Leben waren, den Tod, so ist dies ein ödes und schmerzvolles Leiden für deine Seele.

 

Aus dem 25 Blitz (Ein Seelenführer für die Kranken):

Vierundzwanzigstes Heilmittel: ...Was die alten Leute betrifft, so ist es ein großes Verdienst, sie zu pflegen, auch sie um ihr Gebet zu bitten, besonders wenn es der Vater oder die Mutter ist, ihre Herzen zu erfreuen und ihnen treu zu dienen. Das trägt sowohl zum Glück in dieser Welt bei als auch zur Glückseligkeit in der jenseitigen. Dass dies so ist, steht auf Grund der Überlieferung und auch vieler geschichtlicher Ereignisse fest. Glückselig ein Kind, das dem alten Vater, der alten Mutter gehorcht, entsprechend der Haltung, die es auch bei seinen eigenen Kindern sehen möchte! Unglücklich das Kind, wenn es seine Eltern kränkt! Es wird außer der Strafe im Jenseits auch schon im Diesseits viel Unglück als Strafe erfahren. Auch dies steht auf Grund vieler Ereignisse fest. Ja, Leute des Glaubens sollten nicht nur nach den Alten, den Unschuldigen schauen, wenn es ihre Verwandten sind (denn die wahre Bruderschaft besteht im Geheimnis des Glaubens), es ist vielmehr ein Erfordernis des Islam, ihnen mit Geist und Gemüt zu dienen, wenn sie ihnen begegnen, wenn der verehrte alte, kranke Mensch sie braucht.