Welcher Sinn liegt in der Vertreibung Adams aus dem Paradies, der Erschaffung des Teufels, sowie Unglück und Katastrophen?

Zwölfter Brief

(in Auszügen)

»Im Namen dessen, der gepriesen sei. Und es gibt kein Ding, dass ihn nicht in Dankbarkeit lobpreist. Friede sei mit euch und mit euren Freunden!«

Meine geliebten Brüder!

Ihr habt mir in der letzten Nacht eine Frage gestellt, auf die ich euch keine Antwort gegeben habe, denn es ist nicht erlaubt, die Glaubensfragen nach Art eines Streitgesprächs zu behandeln. Ihr habt jedoch ein solches Streitgespräch miteinander geführt. Deshalb schreibe ich jetzt eine ganz kurze Antwort auf die drei Fragen, über die ihr euch gestritten habt. Eine ausführliche Erklärung könnt ihr in dem Buch »Worte« finden. Dabei war mir aber das Sechsundzwanzigste Wort nicht mehr eingefallen, das vom Vorauswissen Gottes und von der menschlichen Entscheidungsfreiheit handelt. Ihr könnt dort nachlesen; das hatte ich euch noch nicht gesagt. Lest das aber nicht so wie eine Zeitung! Der Grund dafür, dass ich empfohlen hatte, diese »Worte« zu lesen, ist jedoch der: Bei solcher Art Fragen kommen die Zweifel aus einer Glaubensschwäche gegenüber den Grundsätzen des Glaubens. Diese »Worte« aber sind ein vollkommener Beweis für diese Glaubensgrundsätze.

 

Eure erste Frage: Wo findet sich der Sinn dafür, dass Adam aus dem Paradies vertrieben wurde?

Antwort: Die Weisheit liegt in dem (mit ihr verbundenen) Auftrag... Adam wurde mit einer Aufgabe betraut und dazu gesandt, dass der Geist des Menschen sich vollkommen entwickle, der Same aller menschlichen Begabung sich öffne und entfalte und das Wesen des Menschen zu einem Spiegel werde, in dem sich alle Namen Gottes sammeln. Dies war der Zweck seiner Aufgabe. Wäre Adam im Paradies geblieben, wäre seine Stellung der eines Engels gleich geblieben, hätten sich seine menschlichen Begabungen nicht entfalten können. Dagegen aber ist die Zahl der Engel, die permanent auf der selben Stufe verharren, groß. Für diese Art Anbetung ist der Mensch nicht notwendig. Vielmehr verlangt die Weisheit Gottes nach einem Ort der Prüfung, welcher den Fähigkeiten des Menschen entspricht. Ist er doch dafür bestimmt, auf unendlich vielen Stufen emporzusteigen. Aus diesem Grunde wurde er nach dem bekannten Sündenfall, so wie er nun einmal im Gegensatz zu den Engeln in seiner Natur lag, aus dem Paradies vertrieben. Das aber heißt, dass die Vertreibung Adams aus dem Paradiese lautere Weisheit und Barmherzigkeit war

 

Eure zweite Frage: Wofür wurde der Teufel erschaffen und weshalb ist er da?

Zu welchem Zweck hat Gott der Gerechte den Teufel und das Böse geschaffen? Ist die Schaffung des Bösen böse und Schaffung des Schlechten schlecht?

Antwort: Gott bewahre!...Nicht die Erschaffung des Bösen ist böse, vielmehr das Böse zu tun ist böse. Denn Erschaffung und Dasein beziehen sich auf ihren Sinn und den ganzen Zweck. Das Tun aber steht in einem bestimmten Zusammenhang, geschieht zu einem besonderen Zweck. Zum Beispiel: Die Regenwolken, die heraufziehen, kommen aus tausenderlei Gründen und jede dient einem guten Zweck. Wenn jedoch einzelne durch ihr falsches Verhalten zu Schaden kommen, so dürfen sie deswegen nicht etwa sagen: »Die Existenz des Regens ist keine Barmherzigkeit.« Es wäre ungerecht, wollte einer behaupten: »Die Erschaffung des Regens ist böse.« Vielmehr ist das falsche, das verkehrte Tun, der Missbrauch böse für ihn. So liegt auch in der Erschaffung des Feuers eine Fülle von Segen. Segen aber ist gut. Wenn jedoch eine durch ihr falsches Verhalten und ihr verkehrtes Tun einen Feuerschaden erleidet, so darf sie dann nicht sagen: »Die Erschaffung des Feuers ist schlecht.« Denn das Feuer ist nicht einzig dazu erschaffen, sie zu brennen, denn sie hat durch ihr eigenes falsches Verhalten ihre Hand in das Feuer gesteckt, das ihr das Essen kochen sollte und sich so einen Diener zum Feind gemacht.

Zusammenfassung: Wenn ein großes Gut mit ein wenig Schlechtem verbunden ist, so ist dies akzeptabel. Wollte also jemand, weil ein wenig Schlechtes nicht sein soll, das jedoch viel Gutes hervorbrächte, nun das Schlechte vermeiden, so hieße dies doch, viel Schlechtes zu tun. Zum Beispiel: Wenn es bei einem Gasbrand notwendig geworden ist, den Finger abzuschneiden, so ist dies gut und schön, denn es ist nur ein äußerliches Übel. Schneidet man nicht den Finger ab, muss man (statt dessen später) die ganze Hand abnehmen. Das aber wäre ein großes Übel.

So ist den die Erschaffung und das Dasein des Bösen, des Unheils, der Zerstörung und des Zerfalls, der Teufel und jeglicher Art Schädlinge weder böse noch hässlich. Denn sie sind zu vielen bedeutenden Zwecken erschaffen worden. Zum Beispiel: Da die Engel nicht von den Teufeln gequält werden, gibt es für sie auch keine Fortentwicklung. Ihre Stellung ist festgelegt und unterliegt keinem Wandel. Genauso werden auch die Tiere nicht von den Teufeln gequält, ihre Rangordnung ist festgelegt. Was aber die Menschenwelt betrifft, so ist ihre Stufenleiter nach oben und unten hin ohne Grenze. Von Nimrod angefangen über die Pharaonen bis hin zu den Heiligen und Propheten führt ein sehr langer Weg in vielen Stufen aufwärts.

So wurde denn bei der Erschaffung der Teufel, im Geheimnis unserer Verantwortung, verbunden mit der Sendung der Propheten, ein Ort der Prüfung eröffnet, um Erfahrungen zu sammeln, sich zu bemühen, (ja in guten Werken miteinander) zu wetteifern, um die niederen, kohlengleichen Geister von den diamantengleichen, erhabenen Geistern zu scheiden und zu trennen. Wenn dieses Bemühen und der Wetteifer nicht wären, würden die (verschiedenen) Begabungen des menschlichen Geistes, die den Diamanten und der Kohle gleichen, beieinander bleiben. Der Geist von Ebu Baqr asSiddiq in den höchsten Höhen und der Geist von Abu Dschehil in der tiefsten Tiefe befänden sich miteinander auf der gleichen Stufe. Das heißt, die Erschaffung der Teufel und allen Unheils sind, da sie sich auf große und allgemeine Belange erstrecken, nicht von ihrem Dasein her böse, nicht hässlich, sondern führen durch das, aus ihrem Missbrauch und dem persönlichen Umgang mit ihnen, durch das eigene Tun entstandene Böse, Hässliche, zu dem, was dem menschlichen Daseinsbereich zugehört, nicht zu dem, was dem Bereich der göttlichen Schöpfung zugehört.

Ihre dritte Frage: Gott der Gerechte schickt das Unglück, bringt Katastrophen (über die Welt). Ist das nicht eine Ungerechtigkeit gegenüber allen unschuldigen (Menschen), ja sogar gegenüber den Tieren?

Antwort: Gott bewahre! Sein ist das Reich. Er verfügt über Sein Eigentum so wie Er will. Ja, ließe dich ein Künstler gegen ein Honorar Modell stehen, hieße dich ein künstlerisch entworfenes und ausgestaltetes Gewand anziehen und würde Er es nun, um Seine Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit vor Augen zu führen, ausmessen und zuschneiden, es kürzen oder verlängern, ließe dich hinsetzen oder aufstehen, würdest du dann etwa zu Ihm sagen: »Du hast aus dem Kleid, das mich doch so geschmückt hatte, ein hässliches gemacht, mir dadurch, dass du mich aufstehen und wieder hinsetzen hießest, Umstände gemacht«? Du wirst es sicherlich nicht sagen. Sagtest du es aber, hättest du einen Unsinn gesagt. Genauso aber ist es, wenn der Schöpfer in Seiner Herrlichkeit dich mit einem künstlerisch gestalteten Körper bekleidet und ihn mit solchen Sinnen wie Gesicht, Gehör, Geruch Geschmack ausgeschmückt hat, um zu zeigen, wie Seine verschiedenen Namen so schön verziert sind, dich krank werden lässt, dich einem Unglück aussetzt, dich hungrig oder satt werden lässt oder dich durstig macht und dich zwischen diesen verschiedenen Zuständen hin und her wirft. Um das Wesen des Lebens stärker hervortreten zu lassen und dir die Erscheinungsweisen Seiner Namen vor Augen zu führen, lässt er dich in so vielen Lebensumständen herumwirbeln. Wolltest du aber nun sagen: »Warum hast du mir dieses Unglück zustoßen lassen?« würden dich hundert Weisheiten schweigen heißen, wie wir ja in unserem Beispiel darauf hingewiesen haben. Es ist in der Tat das Verweilen, die Ruhe, die Trägheit, die Eintönigkeit, der Stillstand eine Art des Nicht-Seins und also ein Schaden. Bewegung und Veränderung bilden das Dasein und also dessen Güte (d.h. Qualität). Das Leben findet seine Vollendung in der Bewegung, entfaltet sich mit den Unglücken. Das Leben wird mit den Namen Gottes, die dabei durch mannigfaltige Ereignisse in Erscheinung treten, herausdestilliert, gewinnt seine Kraft, wächst, blüht und gedeiht, und gestaltet sich zu der Feder, die (über die Seiten des Lebens) geführt wird, um das eigene künftige Geschick damit niederzuschreiben, erfüllt so seinen Sinn, erlangt ein Recht auf seinen jenseitigen Lohn.

Dies also sind kurzgefasst die Antworten auf die (oben angeführten) drei Streitfragen. Weitere Erklärungen finden sich in den dreiunddreißig »Worten« .

Anmerkung: »Derart kritische Fragen über den Glauben gleich diesen oben erwähnten Fragen, darf man innerhalb einer Gemeinschaft nicht nach Art eines unausgewogenen Streitgesprächs behandeln, weil derartige unausgewogenen Streitgespräche, obwohl sie doch ein Heiltrank sein könnten, zu Gift werden für diejenigen welche derartige Disputationen durchführen, als auch für deren Zuhörer und ihnen zum Schaden gereichen. Man sollte derartige Glaubensfragen vielmehr mit einem gewissen Gleichmut, mit Wohlausgewogenheit und Gerechtigkeit und der Bereitschaft zu einem echten Dialog besprechen.«

Allen Freunden, die in jener Nacht da waren, meinen Gruß (Selam) und mein Gebet.

 

»Der Beständige ist der, der bleibt und besteht.«

Said Nursi

 

Weitere kurze Auszüge zum Thema aus anderen Abhadlungen:

Aus dem 20.Wort, aus dem Abschnitt über die Wunder der Propheten:

Drittens: So wie es einen geistigen Stoff wie den Glauben (iman) und Gottergebenheit (islamiyet) gleich wie ein Schutzhemd gibt, um die Wirkung des Höllenfeuers abzuweisen und davor zu schützen, so gibt es auch einen materiellen Stoff, der die Wirkung des irdischen Feuers abweist. Gott der Gerechte führt, als Erfordernis Seines Namens »der Allweise« einerseits und da andererseits diese Welt der Ort der Weisheit ist, Seine Handlungen hinter dem Schleier der Ursachen durch. So hatte das Feuer Abrahams Körper nicht, wie auch sein Hemd nicht verbrannt und ihm den Zustand verliehen, dem Feuer zu widerstehen. Wie es Abraham nicht verbrannte, so verbrannte es auch nicht sein Hemd. Mit diesem Hinweis sagt diese Ayah folgendes: »Oh Volk Abrahams! Seit wie Abraham, so dass eure materiellen wie geistigen Hemden zu Schutzhemden werden, sowohl hier als auch drüben gegen das Feuer, das euer größter Feind ist. So wie ihr euren Geist sich mit dem Glauben zu bekleiden heißt und er euch wie ein Schutzhemd gegen das Höllenfeuer wird, so gibt es auch etliche Stoffe, welche Gott der Gerechte für euch in der Erde aufbewahrt und vorbereitet hat. Sie schützen euch vor dem Übel des Feuers. Sucht sie, holt sie heraus und (fertigt euch daraus Kleider, die ihr) anziehen könnt!« So ist eine der wichtigen Entwicklungen und Entdeckungen des Menschen, einen Stoff gefunden zu haben, aus dem er nicht brennbare, feuerfeste Kleider herstellen und anziehen kann. Worauf sich aber diese Ayah bezieht, so siehe, wie erhaben, fein und ewig haltbar dem gegenüber jene Hülle ist, die auf der Werkbank von »Hanifan Musliman« Die Art Abrahams, mit dem Friede sei; lautere Gottergebenheit. (A.d.Ü.) gewebt wurde...

Noch ein Beispiel:

»Er lehrte Adam alle (Seine) Namen (kennen).« (Sure 2, 31)

Diese Ayah sagt: »Das große Wunder Adams, mit dem Friede sei, bezüglich seines Anspruchs auf die Ermächtigung (das große Pfand Gemeint: Entscheidungsfreiheit des Menschen. (A.d.Ü.) ) ist, dass ihm gelehrt wurde, alle Namen zu kennen.« So weisen denn die Wunder der übrigen Propheten, wie bereits oben geschildert, auf die Entdeckungen der Menschheit in bestimmten Bereichen hin. Das Wunder Adams, mit dem Friede sei, der der Vater aller Propheten und der Eröffner des Rates der Propheten ist, zeigt die fernsten Grenzen aller Vollkommenheit und jeglicher Entwicklung des Menschen und ihre weitesten Ziele fast eindeutig. Gott der Gerechte sagt durch diese Ayah: »Oh ihr Söhne Adams! Ich lehrte eurem Vater, in Bezug seines Anspruchs auf die Ermächtigung (Hilafet) den Engeln gegenüber als ein Zeugnis für seine Bevorzugung, alle (Meine) Namen kennen. Auch ihr seid seine Kinder und die Erben seiner Begabungen. Ihr sollt alle Namen kennen lernen und allen Geschöpfen gegenüber den Vorzug zeigen, dass ihr dazu berechtigt seid, das große Pfand auf euch zu nehmen. Denn im Kosmos ist für euch der Weg offen, die höchsten Sprossen über allen Geschöpfen zu erklimmen und einen hohen Rang zu erreichen, dass euch riesige Geschöpfe gleich der Erde dienstbar werden... Auf, stürmt vor, haltet je einen meiner Namen fest und steigt empor! Aber euer Vater war einmal vom Teufel betrogen worden und vorübergehend von seinem hohen Rang herab und hinab auf die Erde gestürzt. Gebt acht, bei eurem Voranschreiten nicht dem Teufel zu folgen und einen Anlass zu geben, von den Himmeln der Weisheit Gottes herab und hinunter in den Irrtum des Naturalismus zu stürzen. Erhebet wieder und wieder eure Häupter und achtet auf Meine »Schönen Namen (Esma-i Husna)«. Um in diese Himmel aufzusteigen, sollt ihr eure Wissenschaften und euren Fortschritt zu einer Leiter machen, auf der ihr zu Meinen Namen, d.h. den Namen eures Herrn, gelangen könnt, welche Quelle und Wahrheit eurer Wissenschaften und eurer Vollkommenheit sind. Betrachtet euren Herrn mit eurem Herzen durch das Fernrohr dieser Namen...«

Eine wichtige Anmerkung und ein bedeutendes Geheimnis

Wie diese bewunderungswürdige Ayah auf Kenntnis beruhende Vollkommenheit, wissenschaftlichen Fortschritt und wunderbare Kunstwerke des Menschen, welche er durch die Vielseitigkeit seiner Begabungen erlangt hat, unter der Bezeichnung »Die Lehre der Namen beinhaltet und in sich umfasst, so liegt hierin folgender feiner und erhabener Hinweis:

Jede Vollkommenheit, jede Erkenntnis, jeder Fortschritt, jede Wissenschaft hat eine erhabene Wahrheit, und es ist diese Wahrheit, auf der ein Name Gottes beruht. Diese Wissenschaften, diese Vollkommenheit, diese Künste führen dadurch zu ihrer Vollendung und zur Erkenntnis der Wahrheit, dass sie sich auf einen bestimmten Namen (Gottes) beziehen, der sich hinter sehr vielen Schleiern in unterschiedlichen Formen und auf verschiedenen Stufen findet. Anderenfalls sind sie nur ein unvollkommener, schwacher Schatten...

Zum Beispiel ist die Geometrie eine Wissenschaft. Ihre Wahrheit und ihr letztendliches Ziel ist es, zu den Namen Gottes des Gerechten »der Gerechte und der Bestimmer« zu gelangen und in dem Spiegel der Geometrie die zweckmäßigen Erscheinungen dieser Namen in ihrem Umfang zu bezeugen.

Zum Beispiel ist die Medizin eine Wissenschaft und eine Kunst. Auch ihr eigentliches Ziel und ihre Wahrheit ist es, den Namen Gottes des Allweisen »der Heiler« zu erreichen. Indem man auf der Erde, die Seine gewaltige Apotheke ist, die barmherzigen Erscheinungen dieses Namens in den Heilmitteln sieht, kann die Medizin dadurch ihre Vollendung finden und so zur Erkenntnis der Wahrheit führen.

Zum Beispiel können die Naturwissenschaften, die sich mit den Gegebenheiten der Dinge befassen, dadurch zu einer Weisheit werden, dass man die umfassende Erscheinung des Namens Gottes des Gerechten »der Allweise« in der Lenkung und Leitung und in der Versorgung aller Dinge, ihrer Nutzanwendung und ihrer Bestimmung sieht und zu diesem Namen gelangt und sich auf ihn bezieht. Sonst verwandeln sie sich entweder in Aberglaube und Sinnlosigkeit oder öffnen einen Weg zur Irrlehre wie zur Naturphilosophie.

Hier sind drei Beispiele für dich... Vergleiche sie mit anderen Wissenschaften und Künsten!

Also ermuntert der Weise Qur'an den Menschen, ihm auf die Schulter klopfend, durch diese Ayah zu weitesten Zielen, entferntesten Grenzen und höchsten Stufen, hinter denen er in der derzeitigen Entwicklung sehr weit zurück geblieben ist, ihm diese Stufen mit dem Finger weisend, indem er sagt: »Auf und vorwärts marsch!« Wir begnügen uns mit diesem Juwel aus der großartigen Schatzkammer dieser Ayah und machen hier diese Tür zu...

Noch ein Beispiel: Er, das Siegel im Rat der Propheten, das Oberhaupt der Propheten, für dessen Anspruch auf das Prophetentum die Wunder aller Propheten (in ihrer Übereinstimmung) als ein einziges Wunder gelten, und er, auf den dieser Kosmos stolz ist, und er, an dem sich alle Namen mit allen ihren Abstufungen und mit allen ihren Einzelheiten zeigten, welche auch Adam, mit dem Friede sei, kurz zusammengefasst gelehrt wurden, er, mit dem Friede und Segen sei, spaltete den Mond, indem er seinen Finger majestätisch empor streckte, und indem er ihn hilfreich ausstreckte, entströmte seinen zehn Fingern Wasser wie aus der Quelle des Paradieses und er, der mit tausend Wundern bestätigt und unterstützt wurde, dessen größtes Wunder der weise Qur'an ist, war Mohammed, mit dem Friede und Segen sei. Zu den Aspekten, die den Qur'an als Wunder herausstellen, gehören die Flüssigkeit seiner Rede in der Verkündigung von Recht und Wahrheit, die Prägnanz in seiner Ausdrucksweise, die Vielseitigkeit seines Inhaltes, der Stil seiner erhabenen süßen Worte, was die folgende Ayah zum Ausdruck bringt:

 

»Sag: Auch täten Menschen und Dschinnen sich zusammen, um etwas herbeizubringen, was diesem Qur'an gleichwertig wäre, so werden sie das nicht herbeibringen können. Auch nicht, wenn sie sich gegenseitig dabei unterstützen sollten.« (Sure 17, 88)

Mit den gleichen Ayat lenkt er die Aufmerksamkeit der Menschen und der Dschinnen auf den obenerwähnten klarsten und glänzendsten Aspekt, neben vielen Aspekten, die dieses bleibende Wunder erkennbar machen. Er fordert alle Menschen und Dschinnen heraus. Er steigert die Begeisterung seiner Freunde und die Verbohrtheit seiner Gegner. Durch mächtige Ermunterung und mit kraftvoller Anfeuerung bringt er seine Freunde wie Gegner dazu, ihn nachzuahmen oder eine Nachdichtung abzufassen, das heißt, seine Worte zu imitieren oder etwas ähnliches zu Stande zu bringen. Ja er verhilft diesem Wunder sogar zu allgemeiner Beachtung, als bestünde der einzige Zweck des Menschen in diese Welt zu kommen darin, dieses Wunder als Ziel und Grundlage anzunehmen und in seiner Betrachtung sich bewusst auf das Ziel hin zu bewegen, welches in der Erschaffung des Menschen liegt.

Kurzum: Die Wunder der anderen Propheten weisen jedes auf eines ihrer wunderbaren Künste hin. Das Wunder Adams aber, mit dem Friede sei, verweist neben den Grundsätzen allen Handwerks in kurz zusammengefasster Form auf ein Inhaltsverzeichnis der Kenntnisse und der Wissenschaften, der erstaunlichen und einzigartigen Dinge und alle Vollkommenheit des Menschen hin und ermuntert sie zugleich dazu. Was aber den Qur'an betrifft, dessen Verkündigung ein Wunder ist, das größte Wunder Ahmeds, mit dem Friede und Segen sei, so zeigt er eindeutig, dass sich in ihm die Wahrheit von dem, was Adam gelehrt wurde, nämlich alle Namen Gottes zu kennen, mit allen ihren Einzelheiten offenbart. Er zeigt die richtigen Ziele der Erkenntnisse und der Wissenschaften, die recht und wahr sind, und was die Vollendung und die Glückseligkeit in dieser und in jener Welt ist; zudem führt er die Menschen mit ganz besonderem Nachdruck dazu hin. Seine Führung und Anfeuerung lässt uns sogar folgendes verstehen: »Oh Mensch! Das höchste Ziel dieser Schöpfung ist es, dem Aufscheinen der Herrschaft Gottes eine umfassende Anbetung Gottes entgegenzubringen, und das letztendliche Ziel des Menschen ist es, zu dieser Anbetung durch Erkenntnis und Vervollkommnung hin zu gelangen.« Er bringt das sogar in der Weise zum Ausdruck, dass er auf diese Weise folgenden Hinweis gibt: »Mit Sicherheit wird das Menschengeschlecht in der Endzeit zu Bildung und Wissenschaft hin strömen. Es wird alle seine Macht aus diesem Wissen schöpfen. Was Herrschaft und Macht betrifft, so werden sie an Kenntnis gebunden sein.« Da der Qur'an, dessen Verkündigung ein Wunder ist, seine elegante, fließende Beredsamkeit immer wieder in den Vordergrund rückt, gibt er uns dadurch verstehen: »Bildung und Wissenschaft, deren höchster Glanz die Flüssigkeit der Rede und die Genauigkeit des Ausdrucks sind, werden in der Endzeit in all ihren Formen einen ganz besonderen Vorzug genießen. Die Menschen werden sogar ihre schärfste Waffe aus der Korrektheit ihrer Aussage und ihre überwältigende Macht aus ihrer Art der Ausdrucksfähigkeit erhalten, um den anderen zur Annahme ihrer Meinung zu bewegen und um ihren jeweiligen, gegenseitigen Urteilen zur Geltung zu verhelfen.«

Zusammenfassung: Die meisten Ayat im Qur'an sind der Schlüssel zu einer Schatzkammer der Vollendung und öffnen den Zugang zu einer Fundgrube des Wissens. Wenn du willst, kannst du durch den Qur'an in die Himmel und durch seine Ayat empor zu den Sternen gelangen. Mögen dir dabei diese bisherigen zwanzig »Worte (Sözler)« zu einer Leiter mit zwanzig Sprossen Ja, 33 Abhandlungen »Worte (Sözler)«, 33 »Briefe (Mektubat)«, 31 »Blitze (Lem'alar)«, 13 »Strahlen (Shu'alar)« (Bücher des Verfassers) bilden sogar eine Leiter mit 120 Sprossen. werden, hinaufzusteigen. Siehe nun, was für eine glänzende Sonne der Qur'an ist. Er verströmt auch ein klares Licht über die Wahrheiten Gottes und gießt es nun als einen Strahl glänzenden (Lichtes) über die Wahrheiten im Bereich des Möglichen (die irdische Welt) aus!

Schlussfolgerung: In Anbetracht dessen, dass die Ayat über die Propheten durch ihre Ausdrucksform auf die Einzigartigkeit der heutigen Entdeckungen des Menschen gleichsam hinweisen und ihre Grenzen noch weiter hinaus setzen, und in Anbetracht dessen, dass mit Bestimmtheit und sogar Übereinstimmung bestätigt ist, dass jede Ayah unterschiedlichste Bedeutungen haben kann, und in Anbetracht dessen, dass es eindeutige Gebote gibt, den Propheten zu folgen und sie uns zum Vorbild zu nehmen, kann man sagen, dass es in den oben erwähnten Ayat neben ihren offensichtlichen Bedeutungen noch verschlüsselte Hinweise auf die wichtigsten Künste und Wissenschaften des Menschen gibt, durch welche sie sogar (zur Beschäftigung mit ihnen) ermuntert werden.

Eine Antwort auf die zweite Frage: Wenn du sagst: »Nach dieser Erläuterung habe ich keine Zweifel mehr und bestätige: im Qur'an gibt es, neben anderen Wahrheiten, Hinweise und Zeichen auf Wunder heutiger Zivilisation und Technik, sogar noch auf weiter fortgeschrittene Erfindungen. Alles, was für den Menschen im Diesseits und im Jenseits notwendig ist, findet sich darin im Verhältnis seines Wertes. Aber warum erwähnt der Qur'an sie nicht eindeutig, sodass jeder dazu gezwungen ist, sie zu bestätigen, damit unser Herz beruhigt sei«

Antwort: Der Glaube ist eine Prüfung und unsere Pflichten gegenüber Gott sind eine Erfahrung, damit wir uns in der Arena des Wettbewerbs in die erhabenen Geister und die niederträchtigen Geister scheiden. Wie man z.B. Erz ins Feuer wirft, um Gold und Erde voneinander zu trennen, so nehmen auch die Befehle, die von Gott kommen, den Menschen an diesem Ort der Prüfung in die Pflicht, führen ihn zu einem Wettkampf, damit sich die kostbaren Edelsteine und die gewöhnlichen Schlacken unter dem Erz der menschlichen Begabungen voneinander trennen... Da der Qur'an an diesen Ort der Prüfung als eine Erfahrung und in die Arena dieses Wettkampfes für die Vervollkommnung des Menschen herabgesandt worden ist, wird er mit Sicherheit auf solche weltlichen, noch im Schoß der Zukunft verborgenen Dinge, die einmal für jeden sichtbar werden, nur hinweisen und für den Verstand als Beweis zu seiner Bezeugung eine Tür öffnen. Hätte der Qur'an sie eindeutig erwähnt, so wäre der Sinn der Prüfung verlorengegangen. Es wäre so eindeutig, wie mit den Sternen am Himmel

 

»Es gibt keine Gottheit außer dem Einen Gott.«

 

klar geschrieben steht. Das müsste dann jeder bestätigen, ob er wollte oder nicht. Dann käme kein Wettbewerb zu Stande. Es wäre keine Prüfung mehr. Ein Geist wie Kohle würde mit einem diamantengleichen Geist Abu Djahil, der Verfluchte, würde mit Abu Baqr, dem Getreuen auf der gleichen Stufe stehen. Der Sinn der Prüfung ginge damit verloren...

Kurzum: Der »Weise Qur'an (Qur'an-i Hakim)« ist weise. Nach dem Wert jedes Dinges bestimmt er dessen Platz (maqam). So sieht der Qur'an vor dreizehn Jahrhunderten die Früchte und Entwicklungen der Menschen, die im Dunkel der Zukunft bedeckt und verborgen gewesen waren. Er zeigt sie uns in einer viel schöneren Form, wie wir gesehen haben und noch sehen werden. Das heißt, der Qur'an ist das Wort einer solchen Persönlichkeit, die alle Zeiten und alle Dinge in ihr im gleichen Moment sieht...

Hier ist also ein Licht aus dem Wunder des Qur'an, das uns aus dem Antlitz der Wundertaten der Propheten entgegen leuchtet...

 

»Oh Gott, lass uns die Geheimnisse des Qur'an verstehen und mache uns in jedem Augenblick und zu jeder Zeit erfolgreich in seinem Dienst!« »Gepriesen seist Du! Wir haben kein Wissen, außer dem, was Du uns gelehrt hast. Denn Du bist der Allwissende und der Allweise.« (Sure 2, 32) »Oh Herr, belange uns nicht, wenn wir vergesslich waren, oder uns versehen haben!« (Sure 2, 286) »Oh Gott, schenke Friede und Segen, Gnade und Güte unserem Herrn und Meister Mohammed, Deinem Diener, Deinem Gesandten, Deinem Propheten, dem ungelehrten Botschafter, seiner Familie, seinen Gefährten, seinen Nachkommen, allen Gesandten Gottes, den Engeln, die Dir nahe sind, den Freunden Gottes und den Aufrichtigen. Sende ihm Deine höchsten Segnungen, den lautersten Frieden und reiche Fülle nach der Zahl der Suren, Ayat, Buchstaben und Worte und ihrer Bedeutungen, der Hinweise, Anmerkungen und offensichtlichen Zeugnisse des Qur'an. Verzeihe uns, erbarme Dich unser, sei uns gnädig, oh Gott, unser Schöpfer, nach der Zahl Deiner Segnungen, durch Dein Erbarmen, oh Barmherzigster aller Barmherzigen! Und aller Lobpreis sei Gott, dem Herrn der Welten. Amen«